Tracy Byrd in Deutschland
Untermeitingen,
13. und 14. März 2009
Das Leben in der
deutschen Country Music-Szene war lange in gewisser Weise wie das in einem nahezu
schalldichten Raum. Von Zeit zu Zeit „verirrte“ sich mal ein US-Künstler zu
uns, das war auch schon alles. Eine Veränderung bahnte sich an, als die Four Corners Music Hall in Untermeitingen entschied, nicht
einfach nur auf solche Glücksfälle zu warten, sondern selbst aktiv eine
Bewegung herbeizuführen. Ein solcher Prozess braucht Zeit und Marianne Theil und Bill Wallace bauten diese Tatsache in ihre
Erfolgsstrategie geschickt ein. Eine langsame Steigerung der Qualität, nichts
überstürzen, den Hebel erst betätigen, wenn man ganz sicher ist. Und auf diese
Weise stetig eine Stufe höher. Mit Tracy Byrd war für
den Moment nun erst mal die höchste Ebene erreicht.
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Meine Begegnung
mit Tracy Byrd zum Interview in einem kleinen Konfernezraum des Lechpark Hotels war gelassen und
entspannt. Am Mittag war er aus der Schweiz zu seinem ersten Besuch und dem
einzigen Konzert in Deutschland mit seiner Familie, der Band und Tourmanagerin
Penny Phillips angereist. Er öffnete uns zu Beginn des Gesprächs erst mal die bereit
gestellten Bierflaschen. Er trinke nicht gern allein, meinte er.
Andere Künstler,
vor allem sein Freund Tracy Lawrence, hätten ihm schon vom Four
Corners berichtet und ihm prophezeit, dass er dort eine gute Zeit haben würde,
beginnt er. Beim Soundcheck konnte er sich eine Vorstellung davon machen. Und
wenn er jetzt dann gleich rüber gehe, um zu spielen, so benötigte er für sich
im Innern keine weitere Vorbereitung.
Ich wollte
wissen, wie leicht oder wie schwer es ihm generell falle, Veränderungen zu akzeptieren.
Ob er ein Mensch sei, der es vorzieht, auf Situationen zuzugehen oder dem es
besser damit geht, sie auf sich zukommen zu lassen. Absolut zweiteres,
meinte Tracy, er sei ein völlig passiver Mensch, „rolling
with the flow“, sowohl im Beruf als auch privat. Seine Natur sei es,
Dinge gelassen anzunehmen.
Er sei froh, dass
seine Buchungen es ihm erlauben, viel Zeit unter der Woche mit seiner Familie
zu verbringen. Dann stehe er um 6:00 Uhr morgens auf, mache Frühstück, lasse die Hunde raus, bringe die Kinder zur Schule und am
Nachmittag zum Baseball oder Klavierunterricht. Routinierte Prozeduren, die ihm
ebenso viel Freude bereiten, wie am Wochenende auf Tour durch Clubs zu gehen.
Er gebe keinen Unterschied zwischen Tracy Byrd dem
Ehemann und Vater gegenüber dem Künstler. Er sei immer noch die
selbe Person, betonte er, die Musik würde nicht sein Leben
widerspiegeln.
In einem Artikel
in der Country Weekly hatte ich vor längerer Zeit
einen Artikel gefunden, in der er seine Heimatstadt Vidor/
Wie werde er wohl
zu Hause seine hier gemachten Eindrücke beschreiben, vor allem auch anderen
Künstlern? Country Music nehme einen großen Raum in Europa ein, war sein
Gefühl. Das Publikum erlebe er nicht anders als in den USA und so lange die
Leute seine Songs mögen, wird er sie für sie spielen.
Jene gewonnene
Erkenntnis nahm er kurz darauf mit auf die Bühne und gab sich mit
Selbstverständlichkeit nah und ohne jegliche falsche Selbstwahrnehmung. Bei
dieser Show war die Erwartung die, Country Music von Weltklasse zu bekommen.
Sie wurde erfüllt.
Vertrautheit gibt
ein gewisses Maß anSicherheit. Möglicherweise steckt
dies hinter dem Konzept, als Opener für Top-Acts überwiegend Dan Coates
mit Band einzuladen. Warum auch ein System zerschlagen, das bestmögliche Show
garantiert. Country Music aus Deutschland, wenngleich wiederum von einem
Amerikaner dargeboten, die hier die perfekte Rolle des Vermittlers einnahm.
Und dann kam
Tracy Byrd, mit einem gewaltigen Einstieg - „I'm From The
Country“ - und präsentierte sich seinem Publikum als aktiver Anleiter. Ein
relativ leichter Job, denn er ist ein Top-Star und die Leute waren in dieser Freitag Nacht einfach heiß. Am Samstag sogar noch heißer.
Wie er oder seine Musiker auch handelten und was immer er von sich gab – er
hatte nicht vor, die hoch angesetzte Linie der Erwartung auch nur hauchfein zu
unterschreiten. Tracy Byrd wollte zeigen, wie lässig
und kraftvoll sich bestes Entertainment darstellen lässt. Kurze Infos zu den
Songs ließ er zu, mehr jedoch nicht. Schließlich war er hier, um seine Musik zu
spielen. Und schließlich wollte man die auch hören, denn nichts konnte diese
Momente ersetzen oder kann sie je zurück holen. „The Hag told me
how to sing“, meinte er und ergänzte die Aussage mit
Songs wie „Rambin' Fever“
und „Mama Tried“. Johnny Packcheck fand ebenso
Würdigung. Ein Blick von Tracy Byrd in den Himmel
reicht da aus, um die Emotionen zu verstehen. Man konnte gewiss sein, dass er
seine sich selbst gestellte Aufgabe erfüllte, am Ende eines jeden Konzerts
während der Tour in Europa Freundschaft auf musikalischer Ebene geschlossen zu
haben mit jedem einzelnen, der gekommen war. Seine Lieder waren nicht schrill
oder für ein Live-Konzert aufgepeppt. Er ließ sie in ihrer herrlich harmonischer Gedämpftheit wirken, auf die sie ein Recht
haben. Moderne Country Music im absoluten Zustand des Gleichgewichts.
Es könnte einem
in den Sinn kommen, dass in beiden Auftritten von Tracy Byrd
das Höchstmass an Ansprüchen des Four Corners nun
erreicht sei. Höchstwahrscheinlich wird es so sein, dass der Gedanke bei vielen
auch bleibt. Bei einigen wird sich die Wertung verändert haben, nachdem sie den
nächsten US-Künstler oder -Band dort erlebt haben werden. Ich denke, es wird
nicht länger als ein paar Monate dauern. Vielleicht auch nur ein einige Wochen.
Klar zu sehen
ist, dass sich mit dem steigenden Niveau der Live-Musik auch die
Anspruchshaltung des Publikums verändert und letztlich die den Kern bilden, die
mit einem großen Teil ihres Herzens dabei sind und vor allem auch ganz klar
wissen, auf welcher Stufe wir uns hier befinden. Ein System wie eine Art Trichter,
in dem die durchkommen, die sich um Leistung bemühen – Künstler, Veranstalter,
Medien und Konsumenten gleichermaßen. Die zähe unflexible Masse, die die
Weiterentwicklung der Country Music in Deutschland einschränkt und den Fluss
behindert, braucht niemand. Die wird man aber sicher auch nicht bei Konzerten,
wie dem von Tracy Byrd finden.
Bericht und
Interview: Bettina Granegger